Zum Hauptinhalt springen

05.06.1912 Paola, Kansas

 

Opfer:

Rollin David Hudson (21) und dessen Ehefrau Anna (21)

 

 

Das Ehepaar Rollin David und Anna Hudson waren seit Oktober 1910 verheiratet und sind erst im April in Paola zugezogen. Ursprünglich stammte das Paar aus Canton in Ohio. Rollin D. ist aber bereits 1911 nach Kansas verzogen. Dort lebten er für etwa 1 Jahr in Centerville, wo er  für die Eisenbahn arbeitete. Er lebte beim Ehepaar Mr. Und Mrs. G. W. Coe, während seine Frau „zuhause“ in Ohio blieb. Das Ehepaar Coe wohnte nun auch in Paola auf der anderen Strassenseite und als Rollin D. am 09.04.1911 nach Paola kam, kam er bis zu der Ankunft seiner Frau am 15.04. wieder bei dem Ehepaar unter.

 

Als seine Frau dann kam, kauften sie ein paar gebrauchte Möbel, mieteten das Haus, in dem sie ermordet wurden, und zogen in den Haushalt ein. Sie hatten wenig Bekanntschaft außerhalb der Nachbarschaft, in der sie lebten, waren offenbar ehrlich und fleißig, bezahlten die Miete ihres Hauses beide Monate im Voraus und waren bei den Nachbarn gut angesehen.

 

 

Es gab Gerüchte, daß die junge Ehe der Hudsons phasenweise nicht glücklich war:

 Coe berichtet von einem Gespräch, das er mit Hudson hatte, als Hudson und seine Frau das letzte Mal getrennt waren, und in dem Hudson sagte, er würde seine Frau nach Hause schicken, wenn er sich traut. Er habe aber Angst, davor, sagte er, oder er geht selbst, jedoch wäre er lieber tot als in solchen Schwierigkeiten. Dann holte er einen Brief aus seiner Tasche und sagte, wenn Coe wüsste, was er enthielt, würde er mit ihm mitfühlen. Er erzählte Coe auch, dass er seine Frau dreimal mit einem anderen Mann erwischt habe.

(Alle Bemühungen, den Brief, den Hudson hatte, zu finden, sind gescheitert.)

 

Seit seiner Ankunft in Paola bis zum 30. Mai arbeitete Hudson auf der M.K.& T.-Strecke (Missouri-Kansas-Texas Railroad). An diesem Tag gab es eine Meinungsverschiedenheit zwischen Hudson und seiner Frau, woraufhin er nach Beagle fuhr, wo er zwei Tage auf dem Abschnitt arbeitete.  Als er am folgenden Sonntag heimkehrte, legten er und seine Frau ihren Streit bei und die Nachbarn sagten, sie schienen glücklich und zufrieden zu sein. Er ging zur Arbeit an der M.K. & T. Kohlenrutsche und arbeitete zwei Tage, dann wurde er von Sherman Stump, Abschnittsleiter bei der Frisco (St. Louis–San Francisco Railway) engagiert. Er sollte am Donnerstagmorgen mit der Arbeit beginnen, tauchte aber nicht auf, und diese Tatsache, zusammen mit dem Verdacht der Nachbarn, keinen der beiden mehr gesehen zu haben führte zur Entdeckung des Mordes.

 

Das Haus der Hudsons, in der das Verbrechen begangen wurde, liegt etwa zwei Blocks östlich des Frisco-Depots. Es besteht aus fünf Zimmern, die spärlich eingerichtet waren, aber die wenigen Möbel, die es enthielt, waren geschmackvoll arrangiert, um den besten Anschein zu erwecken Im vorderen Zimmer lagen Strohmatten auf dem Boden, ein quadratischer Tisch in der Mitte, eine neue Truhe und ein paar Bilder an der Wand. Im hinteren Teil dieses Raumes stand das Bett, auf dem sie ermordet wurden. Neben dem Bett stand eine mit Papier überzogene Kiste, auf der mehrere kleine Körbe mit Schmuck von Mrs. Hudson standen, und eine Öllampe ohne Schornstein. Mr. Hudsons Latzhose lag auf dem Boden neben dem Bett, auf dem er lag, und seine andere Kleidung und einige von Mrs. Hudsons Kleidung hingen an Bügeln an der Wand. Der mittlere Raum enthielt einen ordentlich geschwärzten Kochherd, zwei Stühle und einen Tisch, auf dem das Geschirr für das Abendessen stand. Im nördlichen Raum gab es eine Waschwanne und ein Waschbrett. Im anderen Zimmer standen ein paar kleine Möbelstücke, und im Schrank, ordentlich aufgehängt, befand sich die Kleidung von Mrs. Hudson, die nicht surchwühlt worden war. Die Böden waren sauber und alles deutete darauf hin, dass Mrs. Hudson eine ordentliche, sorgfältige Haushälterin war.

 

Am 6. Juni, als Mr. Hudson sich nicht zur Arbeit meldete, ging dessen Vorarbeiter gegen 16:00 Uhr zu seinem Haus. Als er zum Wohnhaus kam, fand er Mrs. Stump und Mrs. Pryor im Hof. Die Damen wollten sich nach dem Wohlergehen ihrer Nachbarn erkundigen, da sie den ganzen Tag nichts am Haus bemerkt hatten. Sie klopften an die Tür, doch es kam keine Antwort. Zur gleichen Zeit kam der Sheriff am Haus vorbei. Die Damen erzählten dem Sheriff die Geschichte. Der Sheriff und der Vorarbeiter betraten das Haus und fanden das Paar auf dem Bett im ersten Zimmer des Hauses liegend. Blutverschmierte Laken bedeckten ihre Köpfe. Als die Laken zurückgezogen wurden, sahen die beiden Männer die zerschlagenen Köpfe des Paares. Der Mörder bedeckte die Köpfe, mit der Decke damit das Blut nicht auf seine Kleidung spritzte. Das Blut auf dem Bett beschränkte sich auf den Bereich des Kissens, durchtränkte die Matratze und tropfte auf den Boden. Es schien, dass Mr. Hudson sofort tot war. Mrs. Hudson hatte mehrere Löcher im Gesicht, was auf einen Kampf schließen lässt.

 

Eine Kohle-Öl-Lampe ohne Glaskamin war am Fußende des Bettes platziert und die Fenstervorhänge waren zugezogen. Der Mörder war offenbar eingestiegen, indem er ein Fliegengitter entfernt und das Fenster des Hinterzimmers auf der Ostseite des Hauses aufgehebelt hatte. Die Türen waren nicht verschlossen und es gab keine Anzeichen dafür, dass der Mörder sich am Tatort gewaschen hatte, obwohl in einem anderen Hinterzimmer ein mit Wasser gefüllter Wäschebottich stand. 

 

 

Tatwaffe:

Die Tatwaffe wurde nicht direkt am Tatort gefunden und eine Durchsuchung eines leeren Grundstücks ergab nichts, jedoch wurde eine Kohlenhacke mit einem abgebrochenen Griff entdeckt, die schließlich als wahrscheinliche Mordwaffe identifiziert wurde.

 

Beobachtungen und Tatverdächtige:

 

  • Ein paar Tage vor dem Tod der Hudsons war ein Fremder in der Stadt und fragte nach ihrem Aufenthaltsort. Er tat so, als sei er ein Freund, der geschäftlich auf der Durchreise war und sich für die beiden interessierte. Zeugen gaben auch an, dass Anna auf einer Brücke außerhalb der Stadt im Streit mit einem nicht identifizierten, größeren Mann gesehen wurde und dass der Mann eine Drohgebärde in Richtung Anna machte. Das war am Morgen des Decoration Day (heute Memorial Day genannt), der auf Donnerstag, den 31. Mai fiel. Es ist schwer zu sagen, wie genau diese Aussagen sind. Paola war ein Knotenpunkt für zwei große Eisenbahnen und ein häufiger Haltepunkt auf dem Weg nach Kansas City, so dass viele Fremde in der kleinen Stadt ein- und ausgingen, und es könnte sein, dass die Zeugen, die von der Szene auf der Brücke berichteten, eine andere Frau gesehen haben.
  • Gegen neun Uhr in der Nacht, in der die Hudsons getötet wurden, sahen Mr. und Mrs. William Pryor, die Nachbarn von nebenan, einen Mann in einem dunkelblauen Anzug und einem Strohhut auf die Veranda des Hudson-Hauses gehen. Dieser Mann passte im Allgemeinen auf die Beschreibung desjenigen, der in den Tagen zuvor in der Stadt gesehen wurde. Laut den Pryors durfte er das Haus sofort betreten, als wäre er "ein alter Freund". Keiner der beiden Nachbarn erinnerte sich daran, den Mann gehen gesehen zu haben, aber Mrs. Pryor war sich sicher, dass das Haus gegen zehn Uhr dunkel war.

  • Gegen Mitternacht in der Tatnacht wurde eine andere Nachbarin, Mrs. Joseph Longmeyer und ihre Tochter Sadie, durch das Geräusch von splitterndem Glas im Esszimmer geweckt. Mrs. Longmeyer war rechtzeitig wach, um zu sehen, wie ein Mann durch den hinteren Teil des Hauses flüchtete. Die Quelle des splitternden Glases war eine zerbrochene Kaminlampe. Der Eindringling hatte einen Kimono zurückgelassen, von dem man annahm, dass er Anna Hudson gehörte. Ein Fliegengitter eines der hinteren Fensters war entfernt worden, um Zugang zum Haus zu erhalten. Wenn Mrs. Longmeyer und Mrs. Pryor richtig lagen, wurden die Hudsons zwischen 22 Uhr und Mitternacht am 5. Juni 1912 getötet.

 

 

 

W. J. Hobin, ein Zeitungsmann der Kansas City Post, der mit der Berichterstattung über die Tragödie in Paola beauftragt war, kam direkt aus dieser Stadt nach Villisca und erzählte der Zeitschrift The Review, dass das Verbrechen in Villisca allem Anschein nach von demselben Mann verübt wurde wie das in Paola.

 

 

Ähnlichkeiten zu den anderen Taten:

  • Die Leichen wurden im Schlaf überrascht bzw. in den Betten getötet.
  • Die Leichen waren bedeckt
  • Die Tatwaffe wurde „in der Nähe“ des Tatortes gefunden
  • Raub als Motiv für das Verbrechen wurde ausgeschlossen
  • schornsteinlose Lampe wurde am Tatort gefunden
  •  Die Jalousien waren heruntergezogen worden
  • Der Mörder hatte den Schornstein von einer Lampe entfernt

 

Bildquelle: Quelle: Miami County Historical Museum